MEIN NAME IST MENSCH workshop
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DER WORKSHOP
Der Workshop beruht auf einem künstlerisch-pädagogischen Ansatz, den das italienische Teatro Due Mondi in den letzten Jahren beständig weiter entwickelt und der die Erarbeitung von Theateraktionen zum Thema MEIN NAME IST MENSCH zum Ziel hat.
Theater kann ein konkretes und wirksames Mittel sein, um mit Jugendlichen einen Dialog zu aktuellen Themen herzustellen, um die Kommunikation untereinander anzuregen und um die Persönlichkeitsentwicklung zu fördern. Theater hilft, dem anderen zu begegnen, sich zu öffnen, Grenzen und Vorurteile abzubauen und sich zu engagieren.
In fünf Workshoptagen, die durch Theaterübungen und Diskussionen in der Gruppe strukturiert sind, wollen wir bei den Teilnehmern das Bewusstsein wachrufen, dass wir in einer Gesellschaft leben, die immer multikultureller und vielsprachiger wird und wo sich sehr unterschiedliche Lebensläufe durchkreuzen und aufeinander treffen. Nur eine große Offenheit und Aufgeschlossenheit dem anderen gegenüber kann es möglich machen, nach und nach die eigene Identität, die einzigartige Besonderheit jedes einzelnen neu zu definieren.
Wir nähern uns der Frage nicht problemorientiert, sondern „locker“, mit Spaß, Ironie und Neugierde.

DIE TEILNEHMER
Die Teilnahme am Workshop und die theatralische Auseinandersetzung mit dem Thema birgt auch für Jugendliche, die normalerweise nichts mit den darstellenden Künsten zu tun haben, die Möglichkeit, künstlerische und theatralische Entdeckungen zu machen, und hat außerdem positive soziologische Auswirkungen, die Anlass geben zu einer Überlegung über die untrennbare Beziehung zwischen Kunst und Gesellschaft, zwischen der Nutzung von Kunst zur Identitätsfindung und der Einzigartigkeit der Person.
Von ihrem persönlichen Standpunkt und ihrer Lebenserfahrung ausgehend werden die Jugendlichen zu Darstellern ihrer Geschichten, die in einer großen kollektiven Geschichte aufgehen. Darin ist Platz für die Erinnerung an die eigenen Wurzeln oder für deren Wiederentdeckung, Platz für Träume und vor allem für den Traum von einer verantwortungsbewusst erlebten kollektiven Zukunft.

DIE FUNKTION DES THEATERS
Dieses Theaterprojekt basiert auf der Idee, dass Kunst ein Bürgerrecht und eine Priorität aller Menschen ist, ebenbürtig dem Recht auf Gesundheit, Ernährung, Arbeit und Bildung.
Das Theater hat eine Funktion als Ort des Unbekannten, wo Probleme benannt und Zustände kritisiert werden können, wo ein neuer Ort geschaffen werden kann: der Ort des Möglichen.
Eines der Ziele der Theaterarbeit mit Jugendlichen unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft ist es, das Gemeinschafts- und Zugehörigkeitsgefühl (z.B. innerhalb einer Schule) zu stärken und Werte wie Solidarität und aktive Anteilnahme zu verbreiten.
Die Aktionen (kurze Theaterszenen, die aus den Ideen der Jugendlichen hervorgehen) enstehen also aus der Gemeinschaft heraus und sind für ein Publikum aus Gleichaltrigen und Erwachsenen bestimmt.
Die Teilnahme einer möglichst zahlreichen Gruppe von Jugendlichen unterschiedlicher Herkünfte ist für den Workshop förderlich. Die Teilnehmer werden mit der Frage konfrontiert, was es bedeutet, neugierig und offen dem anderen gegenüber zu sein und wie man mithilfe der einfachen Sprache von Theater, Musik, Tanz und Bildern oft ganz ohne Worte seine eigene „Welt“ (wieder) entdecken kann.
Die Schaffung eines gemeinsamen kreativen Raumes ist eine konkrete Parteinahme für die Kunst und für die aktive Teilnahme, gewandt gegen ein System, das uns in die Häuser verbannt und einsam vor Fernsehern, Computern und Tablets fesselt.
Die Teilnahme am Workshop bedeutet, in eine Mikrogesellschaft einzutreten, wo Rechte und Pflichten existieren, wo auf individualistische Ansprüche verzichtet wird, wo in der Gemeinschaft gearbeitet wird, wo den anderen gegenüber die größtmögliche Aufmerksamkeit entgegengebracht wird und wo man alles teilt.
In unserem Theater wird das Fest als Ritual wiederbelebt, mit psychologischem Theater hat es nichts gemein. Wir suchen vor allem nach choral-choreographischen Momenten (und weniger nach der Intimität des bürgerlichen, introspektiven Dramas), indem wir den Text des einzelnen Individuums durch die kollektive Stimme des Chores ersetzen.

DER INHALT
Während des Workshops beschäftigen wir uns mit folgenden „Aufgaben“: Körper- und Stimmtraining, Erarbeitung von Aktionsstrukturen, Sammlung von Ideen und Geschichten, von denen ausgehend eine lockere Dramaturgie entwickelt wird.
Wie entwickelt man eine Aktion, wie setzt man eine Idee um, wie inszeniert man eine kurze Geschichte, sodass sie verständlich ist?
Wo fängt man an? Von einem Erlebnis, einem Gedanken oder einem Gefühl ausgehend?
Wie setzt man einzelne Elemente zusammen, die anscheinend nichts miteinander zu tun haben, sodass eine organische, logische Sequenz entsteht?
Diese und andere Fragen sollen Ausgangspunkt sein für die Vermittlung einer Herangehensweise, die einen Weg weisen und mögliche Strategien aufzeigen will, auch wenn es letztlich die Jugendlichen selbst sein werden, die von ihrer Lebenserfahrung ausgehend ihren eigenen, originellen Schaffensweg finden.